Es war dunkel. Man hörte das Rauschen des frühen Verkehrs, welcher weit

unter ihm vorbeizog. Thomsen hob den Kopf, nirgends war ein Licht zu sehen,

aber er hörte das Surren einer Glühbirne und es wurde lauter. Als er nach

links schaute, sah er draußen auf dem Flur den Lichtkegel einer Lampe, als

die Tür aufschwang, fiel sein Blick auf seinen kleinen humanoiden Roboter,

welchen er im Alter von sechzehn Jahren entwickelt, programmiert und gebaut

hatte. Sein Name ist I3-UD4, aber Thomsen nannte ihn Joe. Thomsen sah auf

seine Uhr, eine alte Taschenuhr aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert. Er

hatte sie von seinem Großvater geerbt, welcher vor vielen Jahren bei einem

mysteriösen Unfall ums Leben kam. Es war 3:45 Uhr viel zu früh, als das Joe

ihn schon wecken sollte. Thomsen setzte sich auf und ließ seinen Blick

durch sein Zimmer streifen. Es gefiel ihm nicht, was es zu sehen gab. Er

war vor zwei Monaten aus Frankfurt nach Manhattan gezogen, es hatte ihm ein

kleines Vermögen gekostet dies zu bewältigen. Seine neue Bleibe war eine WG

mit drei weiteren Mitbewohnern Steve, Lisa - seine Freundin, welche Thomsen

nicht wirklich leiden konnte und Elly die so ziemlich das genaue Gegenteil

von Lisa war. Thomsen hatte sich für den Umzug entschieden, nachdem seine

Eltern vor drei Monaten verstorben sind, sie hatten ihm alles hinterlassen,

da er ihr einziger Sohn war. Er verkaufte das Haus und einen Großteil der

Besitztümer, umso den Umzug finanzieren zu können, da ihn in Frankfurt

keiner mehr halten konnte. Als er in Manhattan ankam, verstand er sich auf

Anhieb mit seinen Mitbewohnern, nur Lisa weckte bei ihm etwas Argwohn und

alles was er noch besaß stand nun, in den verschiedensten Kartons verstaut,

an der gegenüberliegenden Wand, als sein Blick nun zurück auf Joe fiel

blinkte seine Kontrollleuchte blau - es war also alles in Ordnung, aber

warum weckte Joe ihn so früh am Morgen?


"Na auch schon wach?" Elly stand in der Tür und musterte ihn "Scheint so,

Joe hat mich geweckt.", entgegnete er verschlafen, "Und was machst du in

diesen frühen Morgenstunden?" "Ich lerne für die Prüfungen morgen." Thomsen

wusste, dass es eine Lüge war, Elly ist die beste in ihren Kursen, sie

musste sich nie für eine Prüfung vorbereiten, aber er sagte nichts weiter.

Jetzt da er schon wach war, ging Thomsen ins Bad und schöpfte sich kaltes

Wasser ins Gesicht. Sein Blick fiel in den Spiegel über dem Waschbecken,

zwischen seinen wässrigen blauen Augen zog sich eine Narbe über die Stirn,

seine blonden Haare standen wild durcheinander vom Kopf ab. Nachdem seine

Frisur wieder ein annehmbares Aussehen angenommen hatte, ging er zurück in

sein Zimmer, fuhr seinen Rechner hoch und begann seine Emails zu

kontrollieren. Thomsen hatte vor kurzem begonnen sich nach einem Nebenjob

umzusehen, damit er auch etwas Geld in die WG-Kasse einzahlen konnte, nach

seinem Einzug hat er die gesamten restlichen Ersparnisse eingezahlt doch

auch diese waren nun verbraucht. Als alle Antworten kontrolliert waren

machte sich Enttäuschung in ihm breit, von seinen 12 Bewerbungen wurden

alle abgelehnt, da die von ihm angefragten Stellen bereits besetzt waren.

Er schaltete den Rechner wieder aus und ging über den Flur mit dem alten

Dielenboden und hielt vor Ellys Zimmer.


Schon bevor er anklopfte hörte er von der anderen Seite der Tür ihre

Stimme: "Du kannst ruhig reinkommen." Thomsen drückte die Klinke hinunter

und öffnete die Tür. Elly saß auf ihrem schwarzen Bett vor ihr lag ein

dickes Buch, bestimmt irgendein Thriller, welche zu ihren Lieblingsbüchern

gehörten. Sie trug einen schwarzen Pullover und eine gleichfarbige Leggings

und ihre glatten kastanienbraunen Haare umrahmten ihr Gesicht. Nur eine

einzige Strähne löste sich immer wieder aus dem restlichem Haar und fiel

ihr ins Gesicht, wenn auf ihrem Nachtisch nicht die kleine Kerze brennen

würde, wäre es kaum möglich sie im diesem dunklem Raum zu sehen. "Ich

dachte du lernst?", fing Thomsen an. "ja aber mir ist die Lust vergangen",

entgegnete sie und hob ihren Kopf. Thomsen mochte es nicht sonderlich in

Ellys Augen zu sehen. Es war als würde sie durch einen hindurch an die Wand

hinter einem blicken. Elly hatte dunkelblaue Augen, welche einen leichten

Rotstich hatten, womit es aussah als wären sie violett. "Setz dich doch.",

sagte sie und klopfte auf das Bettlaken neben ihr. Thomsen griff ihren

Vorschlag auf, setzte sich aber ans Fußende und nicht neben sie. "Was

bedrückt dich?", wollte Elly wissen. "Nichts... Was soll schon sein?",

entgegnete er. Es verwunderte ihn, dass sie scheinbar in ihn hineinsehen

konnte. "Du kannst ruhig ehrlich sein.", sagte Elly etwas energischer, "Ich

sehe doch das mit dir etwas nicht stimmt." "Es waren wieder nur Absagen."

"Oh das tut mir leid... Gab es denn Gründe für die Absagen?", fragte sie.

"Die meisten hatten schon jemand anderes gefunden...". Das Gesprächsthema

behagte ihm nicht. "Was liest du da eigentlich?", begann er ein neues. "Ach

nichts Besonderes. Es geht um...", sie wurden durch ein Klopfen an der Tür

unterbrochen. "Ja?", sagte Elly. Es war Joe, aber etwas beunruhigte

Thomsen. Das blaue pulsierende Licht der LED von Joe war verschwunden.

Stattdessen wurde er nun in rötliches Licht getaucht. "Was ist los Joe?",

wollte Thomsen wissen.


Die Antwort war unüberhörbar. Es war ein Schrei, welcher vom Ende des Flurs

kam. Das einzige Zimmer dort war das von Steve, doch die Stimme klang mehr

nach der von Lisa. Thomsen und Elly hörten schnelle Schritt auf dem Flur.

Die Zimmertür wurde aufgestoßen, im Rahmen stand Lisa, kreidebleich und mit

weit aufgerissenen Augen. "Er...Er...ist...tot...", stammelte sie hervor,

bevor sie nach vorne kippte und zusammenbrach.

Kommentare