Unauffaellig kroch die Nacht empor und verdunkelte in

rasantem Tempo den Himmel und tauchte ihn

in eine undurchdringliche Suppe aus grau und schwarz.

Das letzte bisschen Sonne, welche sich noch zuvor

an den Horizont gekrallt hatte, wurde einfach verschluckt.


Einen kurzen Moment hatte sie noch versucht, sich zur Wehr zu setzen,

jedoch ohne Erfolg. Das Grau ging ueber in schwarz und aus der finsteren

Masse begann Wasser hervorzuquellen und ehe man sich versah,

brausten sie auf die Erde und sammelten sich in saemtlichen Senken,

Kulen und Schlagloechern, welche die Wegesraender und Strassen saeumten.

Die sporadisch platzierten Laternen scheiterten mit ihrem flackerndem Licht,

die nicht enden wollenden Dunkelheit zu durchbrechen,

waehrend die vorbeirasenden Autos ihnen kaum einen Blick wuerdigten.

Jedoch immer noch mehr als den Weiden, welche im Sommer zwar

eine praechtige Allee bilden, nun jedoch vom Wind zerzaust und ohne eine Blatt,

durch den aufziehenden Sturm in der Luft peitschten.


Es herrschte Leere in den Fenstern. Hinter dicht vorgezogenen Vorhaengen

schliefen die Bewohner der Stadt, sich in eine scheinbar

problemlose Welt fluechten, welche fernab der Realitaet mit den kuehnsten,

abartigsten und wahnwitzigsten Vorstellungen gespickt war.


Liess man von diesen prunkvollen Dunstschwaden

von zusammengesponnenen Ereignissen wilder Vorstellungen

ab und besann sich wieder auf die zuvor erwaehnte ausgefahrene Strasse

mit ihren Schlagloechern, in denen sich bereits knoechelhoch

das Regenwasser gesammelt hatte und folgte ihrem Verlauf,

bis selbst die Strassenlaternen nicht mehr in Sicht waren so

gelangte man zu einem Haus, welches nur ein einzelnes Fenster aufwies,

hinter dem man noch einen leicht blaeulichen Lichtschimmer wahrnahm.

Es schien leicht zu pulsieren, dies war aber schwer zu sagen,

da die Sicht von mehreren Vorhaengen verdeckt wurde.

In der Ferne war ein Grollen zu vernehmen.

Das bevorstehende Gewitter wuerde nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Ein Windzug bahnte sich an den Strassenlaternen und den Weiden vorbei,

entlang der Strasse mit ihren Schlagloechern und den Haeuser mit

ihren leeren Fenstern, sowie ihre dahinter schlafenden Besitzern,

hin zu dem schwarzen Koloss, und dem silberblauen Licht hinter dem Fenster,

wand sich nach oben und pfiff die Hausfassade empor.


Die Vorhaenge brausten auf, schlugen aneinander und begannen zu rascheln.

Erschrocken fuhr er aus seinem Stuhl, in dem er wohl eingeschlafen

sein musste, denn allem Anschein nach, hatte er bereits einige Zeit hier gesessen,

wie ihm seine tauben Beine und schmerzender Nacken verrieten.

Er erhob sich und trat abwechselnd von einem Fuss auf den anderen,

bevor er zum Fenster schritt und die Vorhaenge beiseiteschob,

mit der Absicht dieses zu verriegeln, als mit einem ohrenbetaeubenden Knall

ein Blitz in einem nahegelegenen Baum niederging.

Er kniff die Augen zu und machte einen Schritt weg vom Fenster.

Der darauffolgende Donner liess nicht lange auf sich warten.

Nachdem er das Fenster geschlossen und die Vorhaenge wieder zugezogen hatte,

setzte er sich zurueck an seinen Schreibtisch und versuchte,

seine zuvor durch das Einschlafen unterbrochene Arbeit wiederaufzunehmen.

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